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Auteur: Weber, Max
Titel: Die protestantische Ethik und der "Geist" des Kapitalismus
Sub titel:

Max Weber (1864-1920) war aufgefallen, dass Protestanten überproportional auftauchten unter denjenigen Menschen, die wirtschaftlich erfolgreich waren. Der Katholizismus schien (aufgrund einer integrierten Sünden-Vergebungs-Mechanik) es zu erleichtern, das Leben zwischendurch auch einmal zu genießen. Die Mittelmeer-Länder haben dies zwar bis heute als unterscheidbaren Lebensstil über die Zeiten hinweggerettet, die nordischen, mehrheitlich protestantischen Länder jedoch stülpen eine deutlich hermetischere Glocke von Pflicht-Erfüllung und Verantwortung über den Einzelnen. Die Selbstmordrate ist in diesen Landstrichen ebenfalls höher: Luthers theologische Revolution war nämlich leider im Endeffekt keine Befreiung, keine Verringerung von Kontrolle, sondern deren millionenhafte Vervielfachung: Jeder Einzelne wurde zum unbarmherzigen Kontrolleur seiner selbst. Die Reformation hat den Druck auf den Einzelnen nachweislich extrem erhöht. Verquirlt mit der Sichtbarkeit finanziellen Erfolges waren nun Religiösität und Arbeitshandlung aneinandergekettet. Andere Religionen, der Buddhismus, der Islam etc., wirken in dieser Hinsicht auffällig weniger Kapitalismus-konform. Im Gegenteil: Halsstarrigkeit oder Interesselosigkeit scheinen eher befördert zu werden. Demgegenüber erzeugt der calvinistische Kapitalismus (neben aller vordergründigen Geschmeidigkeit) eine darunterliegende soziale Basis-Kälte, einen Kampf jeder gegen jeden, der argwöhnen lässt, im paradiesischen Himmel sei gar nicht genug Platz für alle. Die Angst, vom lieben Gott nicht ziemlich bevorzugt zu werden, lässt also schon vorzeitig unter den Lebenden ein vehementes Hauen und Stechen ausbrechen. Religiösität dieser Art hat global nicht im mindesten zur Humanität beigetragen, ja sie sogar zurückentwickelt, betrachtet man, welche individualistische Souveränität zum Beispiel der Renaissance-Mensch schon erreicht hatte. Angesichts der Tatsache, dass sich in den USA momentan scheinbar ein zweiter Gottesstaat auszubreiten scheint, zumindest in der Meinung derjenigen, die an den entscheidenden Washingtoner Schaltstellen sitzen, - angesichts solcher Strömungen unter den konservativen Christen der USA, die manche Gemeinheit des verpönten Machiavellismus, des elite-orientierten Darwinismus, ja gar des Rassissmus zum Teil locker in den Schatten stellen - angesichts solcher Entwicklungsschübe scheint es besonders angeraten, sich noch einmal mit den nüchternen Analysen dieses Urgesteins der Soziologie, Max Weber, auseinanderzusetzen…
2000, 203 pag., Euro 23,45
Beltz Athenaum, Weinheim, ISBN 3895477222


This page last updated on: 13-1-2015