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Auteur: Beutin, Wolfgang
Titel: Knief oder Des großen schwarzen Vogels Schwingen
Sub titel:

Knief trat 1906 der Sozialdemokratischen Partei bei und entwickelte sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg zu einem der Wortführer der "Bremer Linken" innerhalb der SPD. Im August 1914 wurde er eingezogen, aber nach der Teilnahme an Kämpfen an der Westfront wegen eines Nervenleidens wieder aus dem Militärdienst entlassen. Er bekämpfte entschieden die Burgfriedenspolitik der rechten SPD-Führung und begrüßte die Ablehnung der Kriegskredite durch K. Liebknecht im Reichstag am 2. Dezember 1914. Nach seiner Genesung wurde er der anerkannte Führer der "Bremer Linksradikalen" von Ende 1915 an. Von Juni 1916 bis März 1919 gab er in Bremen die Zeitschrift "Arbeiterpolitik" heraus, in der hauptsächlich die Auffassungen der Bremer Linksradikalen propagiert wurden. Entschieden wurde durch Knief die organisatorische Trennung von der SPD gefordert und die Gründung einer eigenständigen Linkspartei unter Führung der Spartakusgruppe vertreten. Er leistete illegale Arbeit in Berlin und München, wo er im Januar 1918 auch verhaftet wurde. Von Februar 1918 an befand er sich in „Schutzhaft“ in Berlin, bis er im November 1918 durch die Revolution befreit wurde. Unter seiner Leitung entstanden im November 1918 aus den Bremer Linksradikalen die „Internationalen Kommunisten Deutschlands“ (IKD). Knief war Teilnehmer des Gründungsparteitages der KPD, der sich die IKD anschlossen. Er stimmte als einziger Angehöriger der IKD wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg für die Teilnahme der KPD an den Wahlen zur Nationalversammlung. Trotz schwerer Krankheit wurde J. Knief 1919 zum Volksbeauftragten der Bremer Räterepublik ernannt. Er verstarb am 6. April 1919 an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Im Mittelpunkt Johannes Knief, unabhängiger Sozialdemokrat wie seine junge Geliebte und Chronistin Charlotte Kornfeld. Er, der von Krieg und Krankheit gezeichnete Pazifist, Journalist und Motor der Bremer Arbeiterbewegung, ein „Linksradikaler“, der das besitzbürgerliche Regime und das Berliner „Bonzentum“ regierender Sozialdemokraten (Ebert, Noske und Genossen) bekämpft und den in der Pickelhaubenzeit geschundenen, oftmals zusammengeschlagenen und weg gesperrten Proletariern zu ihrem Recht verhelfen will. Sie, Kurierin und Geschäftsführerin einer Arbeiterzeitung, Johanns Lebens- und Kampfgefährtin, die mit ihm Verfolgung und Gefängnis, Krankenhaus und Asyl bei Heinrich Vogeler in Worpswede teilt, bis Johann Knief nach mehreren Operationen stirbt, am 6. April 1919, einen Tag bevor in München eine Räterepublik entsteht. Die Bremer Räterepublik, nach trickreichen Schachzügen der Arbeiterführer am 10. Januar 19 ausgerufen, scheiterte keine vier Wochen danach an der Übermacht der „Weißgardisten“, Freikorps völkisch-deutsch-nationaler Couleur, die ein sozialdemokratischer Reichswehrminister in Bremen einmarschieren ließ. Es ist die tragische Geschichte eines Matrosen- und Arbeiteraufstandes, die Geschichte seiner Hauptakteure, allen voran Johannes Knief, ein Idealist wie die vielen anderen „Linksintellektuellen“, die an der bitteren Realität scheitern mussten. Der Autor macht aus seinen Sympathien für sie keinen Hehl. Und es ist eine Liebesgeschichte, die ebenso tragisch endet. Beutin gelingt es, uns am Geschehen hautnah teilnehmen zu lassen und der offiziellen Historiografie, wie sie in den Schulbüchern angeboten wird, andere Aspekte hinzuzufügen. Wir können davon ausgehen, dass der vielseitige Wissenschaftler von der Geschichte seiner Heimatstadt Bremen viel Staub abklopfen musste, damit darunter Verborgenes sichtbar wird.
2003, 249 pag., Euro 22,5
Königshausen & Neumann, Würzburg, ISBN 3826026373


This page last updated on: 13-1-2015