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Auteur: Xiros, Savvas
Titel: Guantánamo auf griechisch
Sub titel: Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat

27 Jahre lang, von 1975 bis 2002, war die "Organisation 17. November" in Griechenland aktiv, ohne daß je eines ihrer Mitglieder gefaßt worden wäre. Das änderte am 29. Juni 2002. In Piräus explodiert eine Bombe vorzeitig in der Hand des Ikonenmalers Savvas Xiros, die ihn schwer verletzt. Er wird in die Intensivstation eines Krankenhauses eingeliefert und unter dem Vorwand von »Gesundheits- und Sicherheitsgründen« von der Außenwelt isoliert. Kein Freund, Verwandter oder Anwalt darf zu ihm. Fast zwei Wochen lang. Spezialisten der sogenannten Anti­terroreinheiten setzen extra aus den USA eingeflogene Psychopharmaka per Tropf ein, um den schwerverletzten Gefangenen zum Sprechen zu bringen, verhören ihn intensiv. Savvas Xiros beschreibt hauptsächlich die insgesamt 65 Tage auf der Intensivstation, versetzt mit kurzen biographischen Rückblicken und politischen Analysen. Die literarische wie inhaltliche Qualität des Buches braucht den Vergleich mit Kafkas Erzählungen »Die Verwandlung« und »Das Schloß« nicht zu scheuen und erinnert stark an Dalton Trumbos Film »Johnny zieht in den Krieg«. Da schreibt einer zutiefst Gequältes aus sich heraus. Savvas Xiros hat sich dafür, fast blind, einen Stift an die verstümmelte rechte Hand gebunden und das Manuskript handschriftlich bei schlechtem Licht im Hochsicherheitstrakt verfaßt. Die scheinbare Fiktion der Erzählung wird – je tiefer man hineingezogen wird – realer als die eindimensionale Realität selbst. So wie Poesie die Wahrheiten hinter den Vordergründigkeiten zutage fördert und ein tieferes Verständnis derselben vermittelt. Es ist die Beschreibung einer trugbildnerischen Parallelwelt, die wie ein Spiegel die Abgründe realer medizinisch-psychologischer Tortur aufzeigt. Das gesamte Szenario fand tatsächlich in einem offiziellen Krankenhaus, mit angestellten Ärzten, Psychiatern und Krankenschwestern statt. Und alle haben mitgemacht. Savvas Xiros’ Buch ist die literarische Verarbeitung eines modernen Inquisitionsalpdrucks, das politische Manifest eines Überlebenden. Selten ist die Geschichte eines »Verrates« so menschlich erzählt worden. Dabei macht der Lesende eine Gratwanderung immer hart an der Grenze zum Erbrechen durch. Ein traumatisierendes Buch, vergleichbar der Wirkung von Roman Polanskis Film »Der Pianist«. Trotzdem blitzen in dieser Beschreibung einer menschlichen Apokalypse immer wieder Funken ironisierenden Humors im Umgang damit auf. Xiros, an Körper und Geist schwer verletzt, hat seine politische Identität gerettet. Dies wird in kurzen Statements deutlich: »Die Achse des Bösen, die dem Wohlstand des Westens dient. Die Schurkenstaaten, Zielscheibe von humanitären Bombardements, Präventivkriegen zum Wohle des Römischen Friedens und der Sicherheit der Profite derjenigen ausgesetzt, die alles, vom Elementarteilchen bis zu den Sternen, vom pflanzlichen und menschlichen Erbmaterial bis zum globalen Klima, von den natürlichen Ressourcen dieses Planeten bis zu unseren geheimsten Gedanken kontrollieren, beherrschen oder zerstören wollen.« Mehr informationen über den Verfahren unter: http://www.widerstand-repression-griechenland.de
2007, 129 pag., Euro 14,9
Pahl Rugenstein, Bonn, ISBN 9783891443941


This page last updated on: 13-1-2015