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Auteur: Ciliga, Anté
Titel: Im Land der verwirrenden Lüge
Sub titel:

Der Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der Kommunistischen Partei Jugoslawiens aktive Kroate Ante Ciliga gehörte zu jenen Kommunisten, die sich im Laufe der zwanziger Jahre aus aller Herren Länder auf den Weg nach Moskau machten, um von dort aus einen Beitrag zu jener Revolution zu leisten, von der er zu diesem Zeitpunkt wohl noch glaubte, daß sie internationalistisch orientiert sei. Seine baldige Erkenntnis, daß Stalins „Sozialismus in einem Land" mit solcherlei Illusionen nichts mehr zu tun hatte und daß die in den Jahren nach dem Oktoberputsch der Bolschewisten von 1917 weltweit gegründeten Kommunistischen Parteien nach und nach zu nationalen Agenturen der sowjetischen Außenpolitik geworden waren, führten Ciliga zur Annäherung an die trotzkistische Opposition; allerdings wurde ihm schon schnell klar, daß Stalins Programm einer forcierten Industrialisierung nichts anderes beinhaltete als eine Umsetzung der entsprechenden Vorstellungen des von ihm ausgeschalteten Konkurrenten Trotzki und daß in der Sowjetunion nichts anderes als ein von entsprechenden bürokratischen Apparaten geleiteter Staatskapitalismus installiert worden war, der mit einer nach wie vor ideologisch propagierten Rätedemokratie nicht das geringste zu tun hatte. Im Mai 1930 wurde Ciliga, der im Oktober 1926 in Moskau eingetroffen war, verhaftet und verbrachte die nächsten Jahre bis zum Dezember 1935 im Gefängnis in Leningrad, im Lager in Werchne-Uralsk, wo er zu dem linkskommunistisch orientierten „Kollektiv der linken Bolschewisten-Leninisten" gehörte und schließlich in Sibirien. Nach seiner Entlassung lebte er in Paris, wo er 1938 seinen Erfahrungsbericht „Au pays du grand mensonge" veröffentlichte, dem 1950 ein zweiter, bereits 1941 abgeschlossener Band „Siberié, zerre de l'exil et de l'industrialisation" folgte. Beide Bände wurden in den siebziger Jahren unter Hinzufügung eines in der Erstausgabe fehlenden Kapitels über Lenin, das zuerst in der 1950 erschienen zweiten Auflage des ersten Bandes gedruckt worden war, in Frankreich („Dix ans au pays du mensonge deconcertant", Paris 1977) und in England („The Russian Enigma", London 1979), wo der erste Band bereits 1940 erschienen war, neu herausgegeben. Bei der in der Bundesrepublik unter dem Titel "Im Land der verwirrenden Lüge“ Zehn Jahre hinter dem Eisernen Vorhang" 1953 in der antikommunistischen Reihe der „Roten Weißbücher" erschienenen Ausgabe handelte es sich um eine sehr stark gekürzte und insofern ihren Zweck im Kalten Krieg zweifellos erfüllende, ansonsten aber nur mit Bedenken zu gebrauchende Fassung der beiden Bücher Ciligas. Unter dem Titel Ante Ciliga, `Im Land der verwirrenden Lüge') liegt diese gekürzte Fassung der beiden Bücher Ciligas nun wieder vor, ergänzt um ein kurzes Vorwort der Herausgeber sowie einen 1995 zuerst in kroatischer und englischer Fassung erschienenen biographischen Essay von Stephen Schwanz. Nachdem Ciligas Buch im Milieu der gegenüber der westlichen Linken in vielfacher Hinsicht verspäteten und durch die „innerdeutsche" Konfrontation im Kalten Krieg zweifellos auch vielfach gehemmten und fehlgeleiteten bundesdeutschen Linken wohl kaum zur Kenntnis genommen worden ist, kann es heute, aus der Distanz und jenseits der fragwürdigen Verwertung im Kontext des Kalten Krieges, als das gelesen werden, was es zu sein beabsichtigte: als Beitrag zu einer kritischen Entmystifizierung der bolschewistischen Revolutionsromantik in ihrer sowohl theoretischen als auch praktischen Dimension, wobei anzumerken bleibt, daß sich in dem Text zwar reichlich Hinweise auf theoretische Auseinandersetzungen finden, es sich aber nicht um einen theoretischen Text im engeren Sinne han­delt, sondern um einen Erfahrungsbericht, der die angeblich sozialistischen Verhältnisse auf der Ebene der geschilderten sozialen und politischen Auseinandersetzungen eindrücklich demaskiert.
2010, 303 pag., Euro 12,5
Die Buchmacherei, Berlin, ISBN 9783000314681


This page last updated on: 13-1-2015