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Buchladen ‚Fort van Sjakoo' droht Mieterhöhung von über 900%!

Einen "vernünftigen Vorschlag" nennt das unsere Vermieterin, die Wohnungsbaugenossenschaft `Woningbedrijf Amsterdam'....

"Die Wohungsbaugenossenschaft `Woningbedrijf Amsterdam' (WBA) will die Mietpreise ihrer betrieblichen Mieträume dem Marktwert anpassen." So beginnt der Brief an uns, in dem die WBA ankündigt, die Monatsmiete für unseren Laden zum 1. September 2001 von 580 auf 5.150 Gulden zu erhöhen. [Eine DM sind ungefähr 1,12 Gulden.]

Sie nennen dies einen vernünftigen Vorschlag. Wir, die MitarbeiterInnen des internationalen Buchladens ‚Fort van Sjakoo' in Amsterdam, wissen dagegen, daß wir einen solchen Mietpreis nie bezahlen können. Wenn dieser Vorschlag Wirklichkeit werden sollte, droht uns der schnelle Verlust unserer Räume. Natürlich sind wir damit nicht einverstanden und rufen daher auf, uns im Kampf gegen diese asoziale Mieterhöhung zu unterstützen.

Das `Fort van Sjakoo' gibt es seit 1977 und war seitdem immer hier in der Jodenbreestraat Nummer 24. Das Gebäude selbst war zwei Jahre zuvor zum ersten Mal besetzt worden aus Protest gegen den geplanten Abbruch des Hauses (und des ganzen Viertels). Die BesetzerInnen haben das Haus renoviert und bewohnbar gemacht, im Parterre wurde der Buchladen eingerichtet. Der Widerstand der BesetzerInnen war erfolgreich in dem Sinne, daß das Haus nicht abgerissen wurde. 1989 kaufte die Stadt Amsterdam für wenig Geld das Gebäude, BewohnerInnen und Buchladen wurden MieterInnen. Die WBA war damals ein öffentliches Unternehmen der Stadt und so kam das Haus an der Jodenbreestraat 24 in ihren Besitz. Inzwischen ist die WBA allerdings privatisiert.

Schon seit 24 Jahren ist das ‚Fort van Sjakoo' ein Kollektiv von enthusiastischen Freiwilligen in wechselnder Besetzung. Aus prinzipiellen Gründen haben wir uns immer geweigert, uns von Subventionen abhängig zu machen und bis auf den heutigen Tag ist es uns gelungen, den Buchladen kostendeckend zu betreiben. Es ist nicht unser Anliegen, soviel wie möglich zu verdienen, sondern Menschen Informationen zugänglich zu machen, die nur selten in üblichen Buchläden zu finden sind. Im Fort wird eine breite Skala an linken politischen, anarchistischen, avantgardistischen, gesellschaftskritischen, artistischen, aufrührerischen, kuriosen, umweltfreundlichen und manchmal bemerkenswerten Publikationen angeboten. Es ist ein Verteilzentrum für verschiedene in Eigenverlag herausgegebene Bücher und Broschüren, Musik, T-Shirts, Aufnähern usw. Aus aller Welt kommen Menschen hierher und nicht selten finden sie hier Sachen, die sie in ihrem eigenen Land vergeblich suchten.

Seit etwa anderthalb Jahren ist im Keller des Forts eine Internetwerkstatt untergebracht. Genau wie der Buchladen ist `ASCII' ein freiwilliges Kollektiv . Zum Beispiel kann mensch auf recycelten Computern gratis e-mailen und auf dem Internet surfen. ‚ASCII' experimentiert mit frei entwickelter Software und bietet ideellen Organisationen technische Hilfe, damit sie sich in der virtuellen Welt zurecht finden können. Im Keller wird auch wöchentlich live Internet-Radio gemacht, es werden regelmäßig Videos gezeigt und wird mit Jazz-Muzik experimentiert.

In den Räumlichkeiten des ‚Fort van Sjakoo' ist außerdem noch das Büro der Stiftung `Window to Europe' untergebracht. Diese ist 1989 gegründet worden mit den Ziel, den kulturellen Austausch und das gegenseitige Verständnis der Bevölkerung zu fördern, die jahrzehntelang durch den eisernen Vorhang getrennt waren. Die Stiftung hatte sich zunächst auf die Verbreitung der traditionellen Musik der Kulturen der ehemaligen SU beschänkt, in den letzten Jahren jedoch ist noch ein Label für moderne elektronische Musik aus dem Osten hinzugekommen. Eine andere Organisation, die ein kleines Büro im Fort untergebracht hat, ist die `European Juggling Association', die ein jährliches Festival für rund 3000 JongleurInnen aus ganz Europa organisiert.

Keine dieser Initiativen ist kommerziell und kann deshalb auch unmöglich den Geldhunger der WBA befriedigen. Rechtlich gesehen stehen wir völlig machtlos dar. Im Gegensatz zu Wohnraum darf nach niederländischem Gesetz die/der VermieterIn die Mietpreise für betriebliche Räume den herrschenden Marktbedingungen anpassen. Und der Marktwert ist in den letzten Jahren in der Jodenbreestraat (wie auch sonst in der Stadt) absurd gestiegen. Jahrzehntelang war es eine Strasse mit hässlichen Betonklötzen, Abbruchbuden und Baustellen. In den letzten Jahren hat die Stadt die Strasse renoviert. Die scheußlichsten Betonblöcke der Universität machten Platz für Neubauten mit kommerzieller Bestimmung. Die Strasse wurde mit viel Naturstein neu bepflastert und die Junkies wurden weggejagt. Ab 15. August gilt sogar ein Alkoholverbot. Diese Politik war ‚erfolgreich'. Schnell haben sich hier touristische Attraktionen wie `Holland Experience' (die Nachtwache Rembrandts in 3D), große (Supermarkt-)ketten wie `Blokker' und vor allem `Albert Heijn' gefestigt. Der Quadratmeterpreis hat sich in kürzester Zeit verzehnfacht.

Die WBA ist aber keineswegs rechtlich verpflichtet, diese Preissteigerungen an ihre MieterInnen durch zu berechnen, ohne dabei einen Unterschied zu machen, um was für Betriebe es sich eigentlich handelt. Auch ist die Situation, in der sich das Fort jetzt befindet, kein Einzelfall. Überall in Amsterdam stehen soziale und nicht-kommerzielle Initiativen unter Druck, weil sie mit stark erhöhten ‚marktkonformen' Mieten konfrontiert werden. Diese Tendenz kann nur abgewendet werden, wenn für nicht-kommerzielle Initiativen auch nicht-kommerzielle Mieten gelten.

Wir wollen, daß die WBA diese Mieterhöhung einzieht. Unterstützung von all unseren FreundInnen ist uns sehr willkommen. Wir würden es auch super finden, wenn unsere SympathisantInnen selbst eigene Aktionen ausdenken.

Wer informiert bleiben will, kann sich auf unserer E-mailliste anmelden: https://squat.net/mailman/listinfo/sjakoo-announce.

Sag der Direktion der WBA deine Meinung und schick uns eine Kopie.

Woningbedrijf Amsterdam
Muntendamstraat 1
1091DR AmsterdamPostbus 94278
1090GG Amsterdam Fax 020-6630829
e-mail: binnenstad@woningbedrijf-amsterdam.nl

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Jodenbreestraat 24
1011NK Amsterdam
Telefoon: 020-6258979
Fax: 020-6203570
e-mail: sjakoo@xs4all.nl
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Jodenbreestraat 24 sous
1011NK Amsterdam
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